Dialoge – 5 Tipps

Dialoge haben in einer Geschichte mehrere Funktionen. Sie erwecken die Figuren zum Leben, verdeutlichen Konflikte und steuern das Erzähltempo. Gründe genug, um Ihre Figuren zum Reden zu bringen.

1. Inhalt

Das Wichtigste zuerst: Ein Dialog muss entweder informativ sein oder den Konflikt der Geschichte steigern. Spätestens bei der Überarbeitung sollten Sie jeden Dialog kritisch prüfen. Erfüllt er diese Anforderung nicht, überarbeiten oder streichen Sie ihn. Niemand möchte leeres Geschwätz lesen, das nichts zur Geschichte oder zu den Charakteren beiträgt.

Widmen wir uns zuerst dem Konflikt. Er ist für ein Buch essentiell, ohne ihn können die Figuren sich nicht entwickeln. Während wir also zum Beispiel mitfiebern, wie die Kommissarin ihren Ex-Mann als Serienmörder überführen möchte, kann der Konflikt auch im Dialog deutlich oder noch schlimmer werden.

Henriette wartet nervös vor dem Gericht auf ihren Hauptzeugen Stefano, als ihr Kollege Nils anruft.

“Stefano kommt heute nicht.”

“Das kann nicht sein! Er weiß, wie wichtig der Termin ist.”

“Die Kollegen vom Drogendezernat haben gerade sein Methlabor hochgenommen.”

Henriette und der Leser erfahren, dass Stefano doch nicht so unschuldig ist. Zusätzlich wird die Ermittlung erschwert, da die Kommissarin ein weiteres Problem hat. Der Konflikt wird gesteigert, die Spannung erhöht, die Handlung vorangetrieben.

Ein Dialog ist für Autoren auch eine wunderbare Möglichkeit, die Beziehung der Figuren deutlich zu machen.

“Günther, welchen Film sollen wir uns nachher ansehen?”

“Such du aus, Liebling.”

“Schon wieder? Ich habe keine Lust, immer die Entscheidungen zu treffen!”

Die Beziehung zu Günther ist wegen seiner Unentschlossenheit schwierig. Es ist nicht nötig, diese Tatsache näher auszuführen. Auch Begrüßungs- oder Abschiedsfloskeln können Sie weglassen, sofern sie für Ihre Geschichte keine Relevanz haben.

2. Individualität

Eine gründliche Figurenkonzeption zahlt sich auch bei Dialogen aus. Wenn Sie zu Beginn Ihre Protagonisten entwickeln, charakterisieren Sie auch Stimme, Wortwahl usw. Damit auch bei längeren Dialogen Ihre Leser wissen, wer gerade spricht, bauen Sie typische Eigenarten ein. Das können Sprachfehler, Lieblingsworte oder ein sarkastischer Ton sein. Dialekte sollten Sie vermeiden, da nicht jeder Leser sie versteht.

“Verdammt, das war mein letztes Geld!”

“Achte auf deine Ausdrucksweise, James.”

“Was kann ich dafür, wenn der verfluchte Automat kaputt ist?”

“Das rechtfertigt noch lange nicht …”

“Ach, Papperlapapp! Du mit deinem vornehmen Getue!”

Anhand des Dialogs erfährt der Leser auch etwas über die Charaktereigenschaften der Figuren. Herkunft, Alter und Bildungsstand prägen ebenfalls die Sprache. Eine ältere Professorin hat einen anderen Wortschatz als ein junger Straßenmusikant. Zeigen Sie daher im Dialog die Individualität Ihrer Protagonisten.

3. Handlung

Während eines Gesprächs können Ihre Figuren jede Menge tun. Durch Gesten und Mimik drücken sie ihre Gedanken und Gefühle aus. Aber auch Tätigkeiten gestalten den Dialog abwechslungsreicher und aussagekräftiger.

“Gehst du heute Abend noch mit in die Bar?” Alex zupfte an seinem Ohr.

Julia starrte auf den Monitor und wandte ihm den Rücken zu. “Weiß nich.”

“Die Band soll wirklich gut sein.” Er betrachtete eingehend seine Schuhspitzen.

“Hm.” 

“Du magst doch Jazz? Das hat mir jedenfalls deine Mitbewohnerin erzählt.”

“Alex, wann kapierst du es endlich?” Julia hämmerte die letzten Zeilen in den Computer.

Ohne eine Beschreibung der Gedanken und Gefühle wird deutlich, dass Alex nervös und Julia genervt ist. Sagen Sie Ihren Lesern also nicht, wie es Ihren Figuren geht – zeigen Sie es! Lassen Sie die Handlung sprechen.

4. Inquits

Über den Sinn von Redeeinleitungen (“sagte sie”, “fragte er” usw.) wird aktuell heftig diskutiert. Einige Autoren verzichten ganz auf sie, andere entscheiden sich für das einfache Sagte-fragte-Modell und die letzte Gruppe schmückt die Art des Sprechens aus. Jede Variante hat ihre Vor- und Nachteile, weswegen das Genre bei der Wahl hilfreich ist. In Groschenromanen sind blumige Inquits passend, ein Psychothriller würde durch sie deutlich an Spannung (und Lesern) verlieren.

Eine einheitliche Regelung gibt es also nicht, letztendlich sind Inquits Geschmackssache. Dennoch ist es wichtig, überflüssige Redeeinleitungen zu streichen. In den beiden Beispielsätzen machen die Satzzeichen schon deutlich, wie etwas gesprochen wird, auf Inquits kann daher verzichtet werden.

“Machen wir ein Wettrennen?”, fragte er.

“Auf keinen Fall!”, schrie sie.

Manche Autoren lassen ihre Figuren lachen, weinen oder kichern. Jedoch kann niemand einen Satz lachen oder weinen. Hier darf dann gerne die Sprechweise erläutert werden.

“Du siehst zu komisch aus”, lachte Clementine – besser: “Du siehst zu komisch aus”, sagte Clementine lachend. Oder: “Du siehst zu komisch aus!” Clementine lachte.

Inquits sollten nur dann mit Adjektiven ausgeschmückt werden, wenn die Redeweise sonst nicht deutlich wird.

“Ich werde dich töten. Langsam und qualvoll”, sagte er leise.

Falls Sie Inquits verwenden, können Sie deren Stellung abwechslungsreich gestalten.

“Vergiss die Eier nicht. Morgen möchte ich deinen Lieblingskuchen backen”, erinnerte er sie.

Sie rollte mit den Augen. “Das hast du mir schon drei Mal gesagt.”

“Ich will nur sichergehen”, erklärte er. “Für das Geburtstagskind soll doch alles perfekt sein.”

In einem längeren Dialog können sich die Figuren zur Orientierung direkt ansprechen. So sparen Sie die Inquits und der Leser weiß trotzdem, wer gerade spricht.

Gustav und Boris diskutieren ein Spiel ihrer Lieblingsmannschaft.

“Das war eindeutig Abseits, Boris!”

Inquits erfüllen durchaus eine wichtige Funktion in Dialogen, doch sollten sie passend und abwechslungsreich verwendet werden.

5. Subtext

Ein gelungener Dialog enthält auch ein gewisses Maß an Subtext. Er entsteht dann, wenn die Figuren aneinander vorbeireden oder nicht sagen, was sie denken. Das wiederum führt zu Missverständnissen, die den Konflikt steigern.

“Was tust du da?”

“Spionierst du mir etwa hinterher, Mata Hari?”

“Das Thema hatten wir doch schon.”

Die Figuren misstrauen sich und haben bereits schlechte Erfahrungen miteinander gemacht. Keiner beantwortet die Frage des anderen. Dem Leser wird klar, dass der Konflikt tiefer liegt. Für den Subtext ist daher nicht wichtig, was gesagt wird, sondern was gemeint wird.

Extra-Tipp

Auch wenn ein natürlich wirkendes Gespräch in einem Roman dem der Realität ähnelt, gibt es Unterschiede. Die Figuren sagen nichts Irrelevantes, was die Handlung lähmen könnte. Stattdessen sind sie sogar in jeder Situation schlagfertig, weil Sie als Autor für die passende Antwort genügend Zeit haben. Nutzen Sie diesen Vorteil, die Leser werden Ihnen für knackige Dialoge dankbar sein!