Kasus knacksus

Deutsche Sprache – schwere Sprache. Das ist besonders bei der Deklination der Fall. Hier wird das Substantiv je nach seiner Beziehung zu den anderen Satzelementen angepasst. Das gilt natürlich auch für vorhandene Artikel und Pronomen. Ohne Beugung wäre kein Satz verständlich.

Die Schwester die Braut näht das Kleid der Knopf an.

Keine Frage: Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ sind hilfreich. Und welcher Fall vorliegt, ist durch die richtigen Fragen leicht festzustellen.

Die Schwester der Braut näht dem Kleid einen Knopf an.

Nominativ: Wer? = die Schwester

Genitiv: Wessen? = der Braut

Dativ: Wem? = dem Kleid

Akkusativ: Wen oder was? = einen Knopf

Doch leider ist es nicht immer so leicht. Die fünf häufigsten Kasus Knacksus sind:

1. Präpositionen mit Genitiv

Dass der Dativ dem Genitiv sein Tod ist (laut Bastian Sick) ist bei vielen falsch verwendeten Präpositionen festzustellen.

Anhand, anstatt, aufgrund, trotz, während … werden mit dem Genitiv gebildet. Wegen gehört ebenfalls dazu, weswegen es statt “wegen mir” (Dativ) “meinetwegen” heißen muss.

Meinetwegen musst du nicht warten.

Wegen des dichten Verkehrs komme ich zu spät.

Umgangssprachlich hat sich besonders bei “wegen” aber der Dativ durchgesetzt, sodass der Genitiv etwas vornehm klingt. Der Duden erlaubt in diesem Fall die umgangssprachliche Verwendung des Dativs. Wenn Sie es aber richtig machen wollen, entscheiden Sie sich bitte für den Genitiv.

2. Apposition

Beschreibt ein substantivisches Attribut das Beziehungswort näher, so sind beide im selben Kasus gebildet. Die Apposition ist also eine nähere Bestimmung des Substantivs.

Einer der Diebe, der mit der roten Strumpfmaske, zielte mit einem Revolver auf die Kassiererin.

Torten verzieren wir immer mit Blattgold, dem teuersten Lebensmittel der Welt.

Wie so oft gibt es auch hier Ausnahmen. Wenn kein Artikel beim Substantiv steht, liegt ein inkongruenter Kasus vor. Meist ist der Nominativ in diesen Fällen korrekt. Ist der Artikel vorhanden, muss wieder derselbe Fall vorliegen.

Die Briefmarkensammlung meiner Tante, Philatelistin aus Leidenschaft, ist sehr wertvoll.

Die Briefmarkensammlung meiner Tante, einer Philatelistin aus Leidenschaft, ist sehr wertvoll.

3. Altersangaben

Bei Altersangaben wird abhängig von der Präposition entweder der Dativ oder Akkusativ verwendet.

“Unter” und “von” benötigen den Dativ.

Kinder unter zwölf Jahren dürfen nur in Begleitung eines Erwachsenen auf die Achterbahn.

Ein Rentner von 77 Jahren ist in mein Auto gefahren.

Der Akkusativ ist bei der Präposition “über” richtig.

Der Film ist für Jugendliche über 16 Jahre geeignet.

Auch bei Altersangaben gibt es natürlich Sonderfälle. So z. B. bei der Präposition “ab”. Hier sind Dativ und Akkusativ möglich, es sei denn, es folgt ein Artikelwort.

Zu unserer Zielgruppe gehören Männer ab 40 Jahre/Jahren.

Zu unserer Zielgruppe gehören Männer ab dem 40. Lebensjahr.

Auch die Präposition “bis” wartet mit einer Besonderheit auf. Wird sie mit der Fügung “zu” verwendet, ist der Dativ erforderlich, ansonsten der Akkusativ.

Kinder bis zu 10 Jahren erhalten 20 % Rabatt.

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4. Falscher Genitiv

Nachdem die Altersangaben geklärt sind, bleiben wir direkt bei dem Problem mit den Jahren. Hier herrscht bei der Bildung des Genitivs Verwirrung, da beide Beispielsätze häufig zu lesen sind:

Im Winter diesen/jenen Jahres schneite es viel.

Im Winter dieses/jenes Jahres schneite es viel. 

Der zweite Satz ist richtig. Als Gedächtnisstütze können Sie die Pronomen auch durch andere ersetzen.

Ich faste bis zum Beginn meines (nicht: meinen!) Urlaubs.

Bei den Adjektiven sieht es wieder anders aus. Ihnen kann ein Artikel (“des”) vorangestellt werden, weswegen es heißt:

Am Ende (des) letzten Jahres haben wir gute Vorsätze gefasst.

Im Februar (des) nächsten Jahres haben wir sie schon wieder vergessen.

5. Endungen im Dativ und Akkusativ

Doch nicht nur der Genitiv sorgt für Verunsicherung. Auch Dativ und Akkusativ werden immer öfter falsch gebildet. Erkennbar ist das an der fehlenden Endung.

Den Parkschein erhalten Sie am Automat. (Automaten)

Margot kennt jemand, der Posaune spielen kann. (jemanden)

Dem Patient wurde schnell geholfen. (Patienten)

Die Mehrheit wählte Emil als Vereinspräsident. (Vereinspräsidenten)

Die Erklärung, der Leser würde mit der Endung sonst den Plural verstehen, ist dürftig. Schließlich ergibt sich bereits aus dem Kontext, dass es sich nur um den Singular handeln kann. Einen korrekt deklinierten Singular sogar!