Prolog – ja oder nein?

Bevor die eigentliche Geschichte beginnt, haben einige Autoren einen Prolog an den Anfang ihres Buches gesetzt. Doch wann ist er sinnvoll und was genau macht ihn aus?

Sinn und Zweck

In einem Prolog wird eine Vorgeschichte erzählt, die später im Roman wichtig wird. Das bietet sich an, wenn die Handlung in einer anderen Zeit oder einer fremden Welt spielt. Auch ein großer Zeitsprung in die Vergangenheit kann in einem Prolog erzählt werden. In ihn kann der Autor Informationen packen, die sonst die Handlung der Geschichte verkomplizieren würden. Der Leser erhält das nötige Hintergrundwissen und taucht in die Geschichte ein. Ein Prolog ist daher in historischen Romanen, Science fiction oder Fantasy hilfreich.

J.R.R. Tolkien führt den Leser in „Der Herr der Ringe“ sehr ausführlich in einem Prolog in die Welt der Hobbits ein. Da „Der Name der Rose“ von Umberto Eco in einem Kloster im 14. Jahrhundert spielt, muss der Leser mit diesem Zeitalter vertraut gemacht werden. Und Harry Mulisch nutzt in „Die Entdeckung des Himmels“ den Prolog, um den tieferen Sinn seiner Geschichte zu erläutern.

Wie ein Prolog sein sollte

Der Prolog ist kein Teil der Geschichte, sondern davon losgelöst. Erst nach ihm beginnt die Haupthandlung. Weil er als vorgezogenes erstes Kapitel fungiert, muss er selbstverständlich spannend geschrieben sein. Am besten tauchen in ihm Fragen auf, die später im Roman oder Epilog beantwortet werden. So sind die Verbindung zur Haupthandlung und die Daseinsberechtigung eines Prologs vorhanden.

Die Spannung wird am leichtesten erreicht, wenn eine wichtige Figur in Aktion beschrieben wird. Das kann bei einem Zeitsprung z. B. ein Vorfahre der Protagonistin sein. In „Die Entdeckung des Himmels“ erzählen zwei Engel von der Erfüllung eines Auftrags auf Erden, der dann die Haupthandlung bildet.

Und natürlich sollte der Prolog so kurz wie möglich sein. Eine langatmige Vorgeschichte nimmt den Lesern nämlich die Lust auf die Haupthandlung. Wenn Sie also ein paar Informationen erst später in die Geschichte einbauen, haben Sie im Prolog auch die nötige Spannung aufgebaut.

Bei bestimmten Genres erwartet der Leser einen Prolog, um die Geschichte besser verstehen zu können. Schreiben Sie eher Liebesromane oder zeitgenössische Dramen, können Sie darauf verzichten. Bei einem historischen Roman aber bereiten Sie Ihre Leser mit einem Prolog wunderbar auf die ihm fremde Welt vor.

Wie ein Prolog auf keinen Fall sein sollte

Tun Sie Ihren Lesern den Gefallen und packen Sie nicht sämtliche Hintergrundinformationen, die Sie in mühsamen Recherchen zu Ihrem Buch herausgefunden haben, in den Prolog. Auch wenn Sie zu Recht stolz auf Ihre Gründlichkeit sein können, vergessen Sie nie, dass der Autor stets mehr über die Geschichte und die Figuren wissen sollte als der Leser. Ihre Aufgabe ist es, die für das Verständnis der Geschichte notwendigen Details und Informationen herauszufiltern, um den Leser nicht zu langweilen.

Ein Prolog ist auch nur dann sinnvoll, wenn die darin erzählte Handlung nicht durch Rückblenden, Dialoge oder innere Monologe auch in die Hauptgeschichte eingebaut werden kann. Prüfen Sie daher genau, ob der Prolog unbedingt notwendig ist.

Wenn Sie sich für einen Prolog entschieden haben, müssen Sie zwei spannende Anfänge schreiben. Machen Sie bitte nicht den Fehler und beginnen Ihr Buch mit einem langweiligen ersten Kapitel! Damit verpufft nämlich die vorher aufgebaute Spannung sofort.

Muss auf einen Prolog ein Epilog folgen?

Nicht unbedingt. In den drei oben genannten Büchern gibt es zwar einen Epilog, Ken Follett verzichtet aber in „Die Säulen der Erde“ darauf. Ein Epilog macht natürlich aus Prolog und Haupthandlung eine runde Sache. Zwingend erforderlich ist er aber nicht.

Der Prolog als Schreibübung

Wenn Sie möchten, schreiben Sie den Prolog einfach nur für sich selbst. Diese Übung verringert den Druck, sofort etwas Perfektes aufs Papier zu bringen. Außerdem kommen Sie leichter in den Schreibfluss und finden einen entspannten Zugang zu Ihrer Geschichte. Wenn der Roman fertig ist, prüfen Sie, ob der Prolog immer noch notwendig ist. Falls nicht, bauen Sie die Informationen durch eine Rückblende, einen Dialog oder einen inneren Monolog ein. Falls doch, haben Sie alles richtig gemacht!