Stilmittel für Autoren – Das Zeugma

Um einer Geschichte das gewisse Etwas zu geben, greifen Autoren auf unterschiedliche Kniffe zurück. Das können auf der inhaltlichen Ebene vorenthaltene Informationen oder auf der sprachlichen passend gewählte Stilmittel sein. Damit eine Szene die gewünschte Wirkung auf den Leser hat, sollten Autoren möglichst viele dieser Tricks kennen, um sie nach Geschmack und Bedarf einsetzen zu können.

Das Zeugma

Beim Zeugma handelt es sich meist um ein Verb, das sich auf mehrere Objekte innerhalb eines Satzes bezieht. Es “unterjocht” die Satzteile – Zeugma kommt aus dem Griechischen und bedeutet “Joch, Zusammengefügtes”. Das Zeugma ermöglicht Autoren, eine Aussage mit wenigen Wörtern zu machen. Es beschleunigt also das Erzähltempo.

Gerhard fuhr nach Moskau, Erika nach Lissabon.

Hier wird auch ein weiteres Merkmal des Zeugmas deutlich. Durch das fehlende Verb ist der zweite Satzteil grammatikalisch unvollständig. Der Leser muss den fehlenden Satzteil ergänzen, was mehr Aufmerksamkeit erfordert. Das Zeugma ist daher in wichtigen Szenen ein passendes Stilmittel.

Die Begierde besiegte die Scham, die Verwegenheit die Furcht, der Wahnwitz die Vernunft. (Cicero)

Polyseme Verben

Bei mehrdeutigen Verben hat das Zeugma eine andere Wirkung. Diese Polysemie verursacht unlogische, komische Sätze, wie der bekannte Heinz Erhardt zeigte:

Ich heiße Heinz Erhardt und Sie herzlich willkommen.

Hier werden die Verben “heißen” und “willkommen heißen” vermischt, was den Satz inhaltlich falsch klingen lässt. Der Leser muss die korrekte Bedeutung selbst ergänzen. Bei polysemen Verben ist also besondere Vorsicht geboten.

Anna warf den Stein ins Wasser und einen Blick auf Rüdiger.

Meine Tante hatte Asthma und das Wochenende frei.

Oskar schlug die Scheibe und danach den Heimweg ein.

Nimm dir lieber noch ein Bier und nicht das Leben.

Zwei nimmermüde Hände und ein liebendes Herz hörten auf zu schlagen.

Bei polysemen Verben entsteht durch die ungewöhnliche Wendung ein Überraschungseffekt. Dieser kann natürlich auch bewusst eingesetzt werden, um Ironie oder eine Pointe herauszustellen.

Einsatzmöglichkeiten

Als Autor ist das Zeugma hilfreich, wenn Sie das Erzähltempo steigern wollen. Mit wenigen Worten rast der Leser durch Ihre Geschichte.

Auch in Dialogen kann das Zeugma sinnvoll sein. Durch das fehlende Verb wirkt das Gespräch umgangssprachlich. Unvollständige Sätze oder Gedankensprünge sind typisch und lassen den Dialog lebendiger wirken.