Stilmittel für Autoren – Die Aposiopese

Dialoge sind ein wichtiger Bestandteil jeder Geschichte. In ihnen können Konflikte geführt, Gefühle offenbart, Meinungen diskutiert, Witze gemacht oder Gedanken geäußert werden. Autoren haben in Dialogen die Möglichkeit, ihre Figuren und deren Beziehung zueinander deutlich zu machen. Sie bieten also eine wunderbare Gelegenheit, eine Geschichte lebendig zu machen. Grund genug, sie mit Stilmitteln interessant zu gestalten.

Die Aposiopese

Die Aposiopese sorgt für lebendige Dialoge. Sie ist eine Sonderform der Ellipse und wird auch als Satzbruch bezeichnet, da der letzte Satzteil durch eine Pause ersetzt wird. Der Gesprächspartner bzw. Leser muss die wesentliche Aussage des Satzes selbst ergänzen.

Wenn du nicht sofort aufhörst, dann …

Die leere Drohung macht den Dialog dynamischer, sie regt die Phantasie der Leser an. Eine Aposiopese wird meist im Zusammenhang mit Gefühlen verwendet. Einige Beispiele:

Der kann mich mal …

Wenn ich dich in die Finger kriege …

Beeil dich, sonst …

Es gibt aber auch Satzbrüche, die nicht an bestimmte Gefühle gekoppelt sind. Sie drücken dann die Einstellung einer Figur zu einer Situation oder Handlung aus.

Wenn du mich fragst …

Mit einer Aposiopese können Autoren wunderbar die enge Verbundenheit zwischen zwei Figuren ausdrücken. Die Fortsetzung des Satzes wird überflüssig, weil die beiden genau wissen, worauf der andere hinauswill oder anspielt.

Du willst doch sicher auch …?

Weißt du noch …?

Da es bei einer Aposiopese keinen grammatikalisch korrekten Satz gibt, wirkt sie umgangssprachlich und lebensnah. Besonders dann, wenn auf den abgebrochenen Nebensatz ein weiterer Hauptsatz folgt.

Das Essen ist ganz lecker, obwohl … Muss da unbedingt Chili rein?

Apotropäische Aposiopese

Die Sonderform wird benutzt, wenn der Sprecher Unheil abwenden will, indem er den Namen eines Gotts oder Dämons nicht nennt. Ein klassisches Beispiel ist Lord Voldemort in den Harry Potter-Romanen. Er wird von den Hexen und Zauberern oft stattdessen “Du weißt schon wer” genannt.

Schreibtipp

Lockern Sie Dialoge durch gezielt eingesetzte Aposiopesen auf. Die Gespräche wirken realistischer und gleichzeitig lernen die Leser etwas über Ihre Figuren und ihre Beziehung zueinander.